Dienstag, 25. Juni 2013

Kurzstatement Ulli: Kommunikationsmuster - einfach mal rauszoomen?

Alltag:

Das ist so. Es muss so sein. Aber dies darf nicht sein. Das ginge ja auch gar nicht, die Strukturen lassen es nicht zu. Und das ist auch gut so, sonst gäbe es ja gar keine Anhaltspunkte mehr.

Nur, wenn ich genau das habe, kann es mir gut gehen. Ich habe schließlich eine genaue Vorstellung, wo es langgehen soll. Wenn mein Mitbewohner nicht endlich die Küche aufräumt, kann ich nicht zufrieden sein.
Nur, wenn das Gespräch so verläuft, wie es mir vorschwebt, ist es ein gutes Gespräch.
Ich höre nur halb zu, will ja auch selbst zum Zug kommen und zeigen, wie ich das alles sehe. Was der andere sagt, kommt mir irgendwie fremd vor. Ich weiß schon vorher, was ich selbst denke.

Solange die Politik so ist, wie sie ist, bin ich dagegen. Ich habe meine eigene Meinung. Ist nur schwer, sie mit anderen zu teilen, die nicht die selbe Meinung haben. Darum tue ich das auch nicht. Ich diskutiere am liebsten mit Freunden. Andere Sichtweisen sind mir fremd oder ich kenne sie gar nicht, man bleibt halt in seinen Kreisen.

Woher habe ich meine Überzeugungen?

Aus der Erfahrung, es hat sich bewährt. Und von anderen, die es auch so sehen. So sind schließlich auch die Normen und Gesetze, das hat Tradition oder es ist zumindest im Trend. Außerdem wusste ich das schon immer.

Und ich lese schließlich auch Zeitung. Und zwar nur objektive Zeitung, die meine politische Meinung vertritt. Und letztendlich ist das auch alles wissenschaftlich gedeckt. Studien besagen, dass es sich so verhält. Und Studien sind schließlich eine absolute Letztbegründung, wie auch immer sie entstanden sein mögen.

Die Wissenschaft hat das festgestellt und es ist von Experten bestätigt. Experten, die so ein kompliziertes abgegrenztes Feld beherrschen, dass ich ihr Fachchinesisch gar nicht verstehen kann. Das macht aber nichts, ich profitiere ja auch so von ihnen. Endlich gibt’s in diesen unsicheren Zeiten mal wieder eine absolute Wahrheit. An Gott glauben war gestern.
Zum Glück gibt es auch zu jedem Experten einen Gegenexperten, da kann ich mir dann den Passenden aussuchen. Entweder, ich lasse mir beweisen, dass der Euro und die ganze EU dem Untergang gewidmet ist oder aber, ich habe todsichere Belege für ewiges Wachstum. (Oder läuft das ja dann doch auf das selbe hinaus?)

Demokratie auf Sparflamme also. Für alles andere fehlt ja auch das Geld.
Lieber den vertrauen, die ein Dr. im Namen haben und es wirklich wissen und methodisch einwandfrei ausgebildet sind.
Die eigentliche Realität liegt nämlich immer hinter den Tatsachen, die ist so einem Otto Normalverbraucher wie mir gar nicht zugänglich. (Zum Beispiel ist das, was ich für meine Persönlichkeit halte, nur ein Haufen von Aktionspotentialen in meinem Gehirn.)

Manchmal kommt es mir aber irgendwie so vor, als dürfte man sich ab und zu ein bisschen Selbstvertrauen zuschreiben. Man könnte auch mal wieder auf seine unwissenschaftliche Intuition zurückgreifen und schauen, was für Muster sich immer wieder von neuem abspielen. Bei sich selbst und um sich herum. Was die ganze Zeit vor der eigenen Nase passiert, während man mit Gedanken Strukturen einzementiert und die Komplexität der Erfahrung in enge Modelle presst.
Warum ist das so? Es muss so sein.